Dichtheitsprüfung versäumt — Was droht und wie Sie es vermeiden
Dichtheitsprüfung nach EU-VO 2024/573: Prüffristen, häufige Fehler, mögliche Bußgelder nach ChemG und ChemKlimaschutzV und wie Sie Fristen automatisch im Griff behalten.
Die Dichtheitsprüfung ist eine der zentralen Pflichten für Betreiber von Kälteanlagen nach der EU-F-Gas-Verordnung. Wer sie versäumt oder nicht von sachkundigem Personal durchführen lässt, verstößt gegen die EU-F-Gas-Verordnung — für bestimmte Verstöße sieht das deutsche Recht Bußgelder vor.
Warum ist die Dichtheitsprüfung so wichtig?
Kältemittel sind starke Treibhausgase. R-404A beispielsweise wirkt 3.922-mal stärker auf das Klima als CO₂. Eine kleine Leckage in einer großen Anlage kann enorme Mengen CO₂-Äquivalent freisetzen. Die Dichtheitsprüfung soll sicherstellen, dass Kältemittel nicht unkontrolliert in die Atmosphäre gelangen.
Die EU-F-Gas-VO 2024/573 schreibt deshalb vor, dass Kälteanlagen ab 5 t CO₂-Äquivalent (Gase nach Anhang I) oder ab 1 kg eines Gases nach Anhang II Gruppe 1, etwa R-1234yf, regelmäßig auf Dichtheit geprüft werden müssen (Art. 5 Abs. 1). Ausgenommen sind unter anderem als solche gekennzeichnete hermetisch geschlossene Einrichtungen unter 10 t CO₂-Äquivalent bzw. unter 2 kg eines Gases nach Anhang II Gruppe 1.
Die Prüffristen im Überblick
Die Häufigkeit der Dichtheitsprüfung richtet sich nach dem CO₂-Äquivalent der Anlage (Art. 5 Abs. 6; ausführlich: Fristen der Dichtheitsprüfung für Kälteanlagen):
| CO₂-Äquivalent | Prüfintervall (ohne LES) | Prüfintervall (mit LES) | |----------------|--------------------------|--------------------------| | 5 bis unter 50 t | 1× jährlich | 1× alle 2 Jahre | | 50 bis unter 500 t | 2× jährlich | 1× jährlich | | ab 500 t | 4× jährlich | 2× jährlich |
CO₂-Äquivalent berechnen: GWP × Füllmenge (kg) ÷ 1.000
Für Gase nach Anhang II Gruppe 1 zählt stattdessen die Füllmenge in kg: unter 10 kg jährlich, 10 bis 100 kg halbjährlich, ab 100 kg vierteljährlich — mit LES jeweils doppelt so lange Abstände.
Beispiel
Eine Anlage mit 20 kg R-404A (GWP = 3.922):
- CO₂-Äquivalent: 3.922 × 20 ÷ 1.000 = 78,4 t
- Prüfintervall: 2× jährlich (ohne LES)
Häufige Fehler, die zu versäumten Prüfungen führen
1. Keine automatischen Erinnerungen
Wer Prüftermine manuell in Excel oder Papierkalender einträgt, verliert bei vielen Anlagen leicht den Überblick. Besonders bei saisonalen Betrieben (z.B. Ferienhöfe, die im Winter schließen) werden Prüftermine häufig übersehen.
2. CO₂-Äquivalent falsch berechnet
Manche Betreiber kennen zwar die Füllmenge ihrer Anlage, aber nicht den GWP-Wert des eingesetzten Kältemittels. Ohne korrekte GWP-Angabe kann das CO₂-Äquivalent nicht berechnet werden — und damit auch nicht das richtige Prüfintervall. Den GWP-Wert Ihres Kältemittels und das CO₂-Äquivalent ermitteln Sie mit dem GWP-Rechner; weitere Hilfen finden Sie in den kostenlosen F-Gas-Compliance-Tools.
3. LES-Vorteil nicht genutzt
Ist in einer Anlage ein Leckage-Erkennungssystem (LES) installiert, verdoppeln sich die Prüfintervalle (Art. 5 Abs. 6). Wer das installierte LES nicht berücksichtigt oder nicht dokumentiert, lässt häufiger prüfen als nötig.
4. Prüfung durchgeführt, aber nicht korrekt dokumentiert
Neben der Prüfung selbst verlangt Art. 7 Abs. 1 eigene Aufzeichnungen für jede prüfpflichtige Anlage — unter anderem Zeitpunkt und Ergebnis jeder Dichtheitskontrolle sowie Angaben zum ausführenden Unternehmen einschließlich Zertifikatsnummer.
Was droht bei versäumten Prüfungen?
Ordnungswidrigkeit nach ChemG und ChemKlimaschutzV
Die Pflicht zur Dichtheitskontrolle steht unmittelbar in Art. 5 der EU-VO 2024/573. Verstöße gegen unmittelbar geltendes EU-Recht erfasst § 26 Abs. 2 ChemG als Ordnungswidrigkeit, soweit eine Rechtsverordnung für den bestimmten Tatbestand darauf verweist.
Ausdrücklich geregelt ist ein Betreiber-Tatbestand in der ChemKlimaschutzV vom 14. April 2026: Wer nicht sicherstellt, dass die Dichtheitskontrolle von einer Person mit passender Sachkundebescheinigung durchgeführt wird (§ 14 Abs. 2), handelt ordnungswidrig (§ 16 Abs. 2 Nr. 7). Dafür sieht § 26 Abs. 3 ChemG eine Geldbuße bis zu 50.000 € vor. Mehr dazu im Wissensartikel Bußgelder nach ChemKlimaschutzV.
Risiko bei Behördenkontrollen
Die Aufzeichnungen sind der zuständigen Behörde auf Verlangen vorzulegen (Art. 7 Abs. 2). Fehlen sie, fällt das bei einer Kontrolle sofort auf.
Wie Sie Prüffristen automatisch im Griff behalten
Die beste Strategie ist, Prüffristen gar nicht erst zu vergessen. FGasLog berechnet für jede Anlage automatisch das CO₂-Äquivalent und die daraus resultierenden Prüfintervalle.
30, 14 und 7 Tage vor jedem Prüftermin erhalten Sie und Ihr Kältefachbetrieb automatisch eine E-Mail-Erinnerung. So haben Sie jeden Prüftermin rechtzeitig im Blick.
Fazit
Versäumte Dichtheitsprüfungen sind vermeidbar. Mit einem vollständigen Überblick über alle Anlagen, korrekt berechneten Prüfintervallen und automatischen Erinnerungen senken Sie das Risiko versäumter Prüfungen.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.
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